Ortsunion Süd: Fluchtursachen und Entwicklungen

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von Horst Espeloer

Zum Thema Fluchtursachen referierte Erich Fritz, Bundestagsabgeordneter a.D., vor den Mitgliedern der OU Innenstadt-Süd.
Die Fluchtursachen sind je nach Ländern und Regionen naturgemäß sehr unterschiedlich. Das geht vom Politischen System (failed states, z.B. Eritrea) über Krieg (Syrien), Ethnischen Konflikten (Türkei) bis zu Klimaveränderung (Bangladesh) und Perspektivlosigkeit (Magreb-Staaten). Niemand verlässt freiwillig sein Land; allen Flüchtlingen gemeinsam ist die Tatsache, dass sie in großer Not sind und als einzigen Ausweg, das Verlassen ihrer Heimat ansehen.

Das deutsche Asylgesetz umfasst die Gründe, um Flüchtlingen Asyl zu gewähren, relativ eng. Nur wer aus politischen, religiösen, rassistischen oder aufgrund seiner geschlechtlichen Orientierung verfolgt wird, hat Anrecht auf Asyl.

Laut UNHCR befanden sich im Jahr 2016 ca. 65 Mio. Menschen auf der Flucht. Das bedeutet eine Steigerung um 50% in den letzten fünf Jahren. Zwei Drittel aller Flüchtlinge sind sog. Binnenvertriebene, d. b. sie suchen Schutz im eigenen Land. Nur eine relativ kleine Anzahl an Flüchtlingen erreicht Europa.
Das Flüchtlingsproblem ist ein globales Problem und erfordert international abgestimmte Maßnahmen. Dies aber ist genau die Krux. In vielen Fällen haben die internationalen Organisationen schlichtweg zu wenig Geld, weil die Mitgliedsländer oft zu spät oder gar nicht zahlen.
Neben der humanitären Hilfe (wie Aufnahme und Versorgung) bestehen die Möglichkeiten der Bekämpfung der strukturellen Fluchtursachen (z. B. Klimawandel) sowie des Einsatzes Entwicklungspolitischer Maßnahmen (Förderung von Bildung, Gesundheit, Infrastruktur). Aber alle diese Maßnahmen brauchen Zeit und ganz viel internationales Engagement. Erforderlich sind natürlich auch Regierungen vor Ort, die am Wohlergehen ihres Volkes interessiert sind und kooperieren wollen.
Entwicklungsminister Müller spricht von einem „Marshallplan für Afrika“. Vom Ansatz her richtig, aber die Art der Entwicklungshilfe der letzten Jahrzehnte hat auch gezeigt, dass es äußerst schwierig und langwierig ist, erfolgreiche Unterstützung zu geben. Daneben wächst die Bevölkerung insbesondere in Afrika sehr schnell; es ist davon auszugehen, dass Afrika innerhalb der nächsten 30 Jahre von heute 1 Mrd. Menschen auf etwa 3 Mrd. wachsen. wird. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zu Europa, das Durchschnittsalter in den afrikanischen Ländern sehr niedrig ist, z.T. unter 20 Jahre.

Europa kann nur massiv unterstützen und eine geordnete Zuwanderung aus Afrika gestatten. Voraussetzung dazu ist aber, dass Europa selbst sich erst mal einigt, wie es mit dem Problem umgehen will.